Studieren

Aktuell beende ich mein 4. Fachsemester als Germanistikstudentin. Germanistik – das ist doch ein Studiengang für Bücherwürmer? Nicht ganz. Eine wichtige Voraussetzung ist natürlich das Interesse an Literatur, aber in Germanistik wird nicht nur gelesen. Zugegeben, der Wunsch, Germanistik zu studieren, kam auch bei mir aus der Liebe zur Literatur heraus. Schon von klein auf habe ich es geliebt Geschichten zu erzählen und erzählt zu bekommen, zu lesen und später auch eigene Texte zu schreiben.

Erst, als ich ernsthaft mit dem Gedanken spielte, mich an der Universität zu bewerben, informierte ich mich über den Studienverlauf und stellte fest, wie umfangreich diese Wissenschaft ist. So umfangreich, dass eine Zusammenfassung sehr lang werden kann… An meiner Universität setzt sich das Studium aus drei Bereichen zusammen: Neuere deutsche Literaturwissenschaft (NDL), Mediävistik und Linguistik.

Wer denkt, dass mit „neu“ topaktuelle Romane gemeint sind, der täuscht! Zwar können – je nach Seminar – auch aktuellere Werke behandelt werden, die NDL beschäftigt sich aber hauptsächlich mit Texten, die seit der frühen Neuzeit entstanden sind, d. h. von ca. 1790 bis heute.

Aber es geht noch älter! In Mediävistik ist der Forschungsgegenstand das Mittelalter und dementsprechend alt sind auch die Texte. Zeitlich einzuordnen ist das Mittelalter zwischen dem 6. und 15. Jahrhundert, aber hauptsächlich lesen wir Werke, die zwischen dem 11. – 16. Jahrhundert entstanden sind. Wer die Texte da im Original lesen will, muss Mittelhochdeutsch können. Gar nicht so schwer? Dachte ich auch… Hier eine kleine Kostprobe.

Zu guter Letzt noch ein paar Stichworte zu Linguistik, ein Teilbereich, der mir leider nicht so wirklich liegt. So interessant er auch sein kann, liegt mir Grammatik & Co. nicht. Aber Linguistik darauf zu reduzieren, wäre nicht fair! Linguisten untersuchen die Sprache und interessieren sich für ihre Systematik und den menschlichen Sprachgebrauch. Dazu gehört Grammatik – aber eben nicht nur!

Germanistik beschäftigt sich also mit (deutscher) Literatur und Sprache. Die Studieninhalte variieren aber von Uni zu Uni und sogar von Semester zu Semester, auch wenn vieles ähnlich ist. Wechselnde Veranstaltungen und Dozenten machen den Uni-Alltag aufregend und erweitern den Horizont, was gerade in der Wissenschaft ein großer Mehrwert ist.

Übrigens war das Schreiben kein ausschlaggebender Punkt, mich für Germanistik zu bewerben! Denn – und das sollte jedem klar sein, der Germanistik studieren will -Germanistik ist kein Studiengang, der einem hilft, Schriftsteller zu werden. Natürlich lernt man wissenschaftlich zu schreiben, aber creative writing ist nicht Teil des Studiums.

Trotzdem hat mir das Studium geholfen, mich als Schriftstellerin weiterzuentwickeln. Ich lese (gezwungenermaßen ;)) unglaublich viel und lerne sehr viel über Literatur, was mir auch beim Schreiben hilft und die Perspektive verändert. Und es gibt auch Veranstaltungen und Arbeitskreise, die sich außerhalb des Studiums mit Schreiben beschäftigen. (Meistens gibt es dafür aber auch keine Leistungspunkte.)

Abgesehen von der persönlichen und beruflichen Entwicklung, die ich während des Studiums bereits hinter mir habe, bereichern mich die sozialen Kontakte, die ich knüpfen konnte. Die Menschen, die ich an der Uni kennengelernt habe, bereichern mein Leben sehr. Sei es auf der sozialen Ebene – denn wir haben die gleichen Interessen und verstehen uns – oder auf der Schriftsteller-Ebene. Feedback ist Teil des Schreibprozesses, genauso wie der Austausch von Erfahrungen oder gegenseitige Motivation.